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Politik

In dieser Rubrik zeige ich mein Weltbild auf, welche als Grundlage aller Entscheide dient. Das Fazit daraus ist entscheidend und führt zu den
konkreten kommunalen Sachangelegenheiten

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Zu meiner KI Nutzung

Der leere Backofen, der Big Mac und die kognitive Freiheit

Ich bezahle inzwischen ungefähr 370 Franken pro Monat für drei KI-Systeme.

Das ist viel Geld. Und hinter diesen drei KI sitzen natürlich keine körperlosen Geister, die sich von meinen Gedanken ernähren. Irgendwo stehen Rechner, Grafikkarten, Kühlsysteme und Stromleitungen. Irgendwo wird Energie erzeugt und Wasser verbraucht.

Also versuchte ich, mir diesen Verbrauch bildlich vorzustellen.

Meine bisherige Vorstellung lautete ungefähr so:

Wenn ich eine Stunde lang mit meinen drei KI auf hohem Niveau arbeite, läuft dafür vielleicht irgendwo ein Backofen leer bei 150 Grad und verdampft nebenbei drei Liter Wasser.

So falsch ist das Bild offenbar nicht. Drei Liter Wasser zu erhitzen und vollständig in Dampf zu verwandeln, benötigen bereits gut zwei Kilowattstunden. Zusammen mit dem Ofen landet man ungefähr bei drei Kilowattstunden. Allerdings ist die andere Seite der Gleichung sehr unsicher. Die veröffentlichten Werte für eine KI-Anfrage reichen von einem Bruchteil einer Wattstunde bis zu mehreren Dutzend Wattstunden für lange Reasoning-Aufträge. Beim Wasser reichen die Angaben von wenigen Tropfen bis zu einem kleinen Glas pro Antwort.

Mein Backofen ist deshalb keine Messung.

 

Er ist eine bewusst eher strenge Vorstellung davon, was meine intensivste Nutzung kosten könnte.

Der Backofen ist leer, meine Arbeit aber nicht

Der Vergleich besitzt allerdings einen eingebauten Fehler.

Der Backofen ist leer.

Er hält seine 150 Grad, verdampft Wasser und produziert ausser warmer Luft nichts. Meine drei KI produzieren während derselben Stunde Code, Architekturprüfungen, Tests, Dokumentationen, politische Texte, Alltagsorganisation und gelegentlich auch einen ziemlich langen Blogbeitrag.

Physikalisch kann eine Kilowattstunde immer dieselbe Kilowattstunde sein. Gesellschaftlich ist sie es nicht.

Wir beurteilen Energieverbrauch normalerweise nicht nur danach, dass Energie verbraucht wird. Wir fragen auch, wofür.

Ein Spital verbraucht Energie. Eine Schule verbraucht Energie. Ein Lift verbraucht Energie. Ein Hörgerät, ein elektrischer Rollstuhl und ein Computer verbrauchen Energie. Niemand käme vernünftigerweise auf die Idee, diese Dinge mit einem leer laufenden Backofen gleichzusetzen und damit die Diskussion zu beenden.

 

Bei mir ist KI inzwischen ebenfalls keine Unterhaltungstechnologie mehr.

Was sich in meinem Leben verändert hat

Elvanse ermöglichte mir zuerst, mein ADHS besser zu kontrollieren. Nicht vollständig, aber so weit, dass ich meine Aufmerksamkeit bewusster einsetzen konnte.

Die KI ergänzte etwas anderes.

Sie macht Strukturen sichtbar. Sie hält Zwischenschritte fest. Sie erinnert sich innerhalb eines Arbeitszusammenhangs an Zusammenhänge, die mein eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis sonst immer wieder fallen lässt. Sie kann einen Gedanken aufnehmen, ordnen, prüfen und mir danach in einer Form zurückgeben, in der ich ihn wieder greifen kann.

Damit verschwanden die Einschränkungen meines Kurzzeitgedächtnisses nicht medizinisch. Aber sie verloren im Alltag und besonders beim Programmieren einen grossen Teil ihrer Macht über mich.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Früher hatte ich viele Ideen. Das Problem war nicht die Idee, sondern der Weg von der Idee in die Welt. Auf diesem Weg lagen zu viele kleine Zwischenschritte, Rückfragen, verlorene Fäden und wieder neu zu konstruierende Zusammenhänge.

Seit ungefähr eineinhalb Jahren hat sich mein Leben dadurch stark verändert.

Und seit dem 13. Mai 2026 ist nochmals etwas Neues entstanden. Seit ich mit drei KI-Teammitgliedern organisiert zusammenarbeite, kann ich meine Ideen beinahe schrankenlos in dieser Welt umsetzen.

Nicht schrankenlos, weil plötzlich alles richtig wird.

 

Schrankenloser, weil die alten Schranken nicht mehr jeden Gedanken unterwegs verhungern lassen.

Trotzdem bin ich bei der SP

Gerade deshalb möchte ich nicht einfach sagen:

Es hilft mir, also muss ich über den Verbrauch nicht reden.

Ich bin bei der SP. Für mich gehört dazu, genau hinzuschauen, wer die Kosten einer Entwicklung trägt, wo Energie herkommt, wo Wasser verbraucht wird und ob private Vorteile auf gesellschaftlich ausgelagerten Schäden beruhen.

Die persönliche Befreiung hebt die materielle Welt nicht auf.

Rechenzentren verbrauchten 2024 weltweit rund 415 Terawattstunden Strom, ungefähr 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs. Die Internationale Energieagentur erwartet bis 2030 etwa 945 Terawattstunden. KI ist dabei einer der wichtigsten Wachstumstreiber. Das ist keine Kleinigkeit und lässt sich nicht mit einem besonders hübschen persönlichen Erfahrungsbericht wegwischen.

 

Aber genaues Hinschauen bedeutet auch, nicht nur die grösstmögliche Zahl herauszusuchen und danach jede Nutzung moralisch gleich zu behandeln.

Oder gerade deshalb.

Der Vergleich mit dem Backofen, dem Big Mac oder dem Steakhouse betrifft nur die ökologische Seite der KI. Er kann helfen, ihren Strom-, CO₂- und Wasserverbrauch in eine vernünftige Grössenordnung einzuordnen. Er sagt aber noch nichts über die gesellschaftlichen Folgen dieser Entwicklung.

Diese sind schon heute gross und reichen in fast alle Bereiche unseres Lebens: in die Arbeitswelt, die Verteilung von Einkommen und Macht, die Bildung, die Medien, die politische Meinungsbildung, den Datenschutz, die Überwachung und unsere sozialen Beziehungen. Dazu kommen Diskriminierung durch undurchsichtige Systeme, die Abhängigkeit von wenigen grossen Konzernen, neue Möglichkeiten der Manipulation und die Frage, wer Zugang zu dieser neuen Leistungsfähigkeit erhält und wer zurückbleibt.

In der SP erlebe ich seit Jahrzehnten, dass sie für mich die einzige Partei ist, die solche Entwicklungen nicht nur kritisch beobachtet, sondern auch versucht, sie politisch mitzugestalten. Sie ist deshalb der richtige Ort, um KI zu regulieren, sie dort einzuschränken, wo es notwendig ist, und vor allem Lösungen für ihre sozialen, demokratischen und ökologischen Folgen zu entwickeln.

 

Ich nutze KI sehr intensiv und werde nicht auf sie verzichten. Gerade deshalb will ich nicht, dass ihre Entwicklung allein von Konzernen, Marktanteilen und dem technisch Machbaren bestimmt wird.

Der Big Mac betritt die Rechnung

Nehmen wir meine eher hohe Schätzung von drei Kilowattstunden pro intensiver KI-Stunde.

Mit dem globalen durchschnittlichen Strommix entspräche das ungefähr 1,3 Kilogramm CO₂. Der tatsächliche Wert kann je nach Rechenzentrum deutlich tiefer oder höher liegen.

Ein einzelner Rindfleischburger mit 150 Gramm verursacht je nach Produktionsweise ungefähr 2,1 bis 5,4 Kilogramm CO₂e. Bei einem Steak mit 200 Gramm sind allein für das Fleisch ungefähr 7 bis 12 Kilogramm plausibel. Der Restaurantbetrieb, die Beilagen, Kühlung, Zubereitung und Anreise sind darin noch nicht enthalten.

Damit entspricht ein Rindfleischburger klimatisch grob mehreren sehr intensiven Stunden meiner KI-Arbeit.

Ein Steakhouse-Besuch kann einem erheblichen Teil eines Arbeitstages mit meinen drei KI entsprechen.

Es ist eine Korrektur der Grössenordnung.

Wer einen Rindfleischburger isst, ein Auto benutzt, eine Ferienreise macht oder einen Wäschetrockner betreibt, muss deshalb nicht in ökologische Selbstanklage verfallen. Umgekehrt ist es etwas seltsam, ausgerechnet die KI-Nutzung zu einem moralischen Sonderverbrechen zu erklären, während sehr alltägliche Entscheidungen einen ähnlichen oder erheblich grösseren Fussabdruck besitzen.

Der Big Mac nimmt der pauschalen Kritik tatsächlich etwas den Boden weg.

 

Er nimmt aber nicht die ökologische Frage weg.

Beim Wasser wird der Vergleich gefährlich

Beim Wasser könnte ich die Rechnung noch spektakulärer gestalten.

Eine aktuelle Lebenszyklusanalyse kommt für einen Rindfleischburger mit 150 Gramm auf einen gesamten Wasserfussabdruck von rund 3’871 Litern. Das wären mehr als tausend meiner angenommenen KI-Stunden mit je drei Litern.

Diese Zahl würde sich in einem Blog hervorragend machen.

Aber sie wäre ohne Erklärung irreführend.

Der Wasserfussabdruck des Burgers enthält grünes Wasser, also vor allem Regenwasser, blaues Wasser aus Oberflächen- und Grundwasser sowie graues Wasser als rechnerisches Mass für Verschmutzung. Drei Liter verdampftes Kühlwasser in einem Rechenzentrum sind etwas anderes. Selbst innerhalb der KI-Bilanzen rechnen die Anbieter sehr unterschiedlich, manche nur mit direkter Kühlung, andere zusätzlich mit Wasserverbrauch der Stromproduktion und der Hardwareherstellung.

Die Wasserzahlen lassen sich deshalb nicht wie identische Flaschen nebeneinanderstellen.

 

Gerade weil ich Kritik ernst nehme, möchte ich nicht mit einer spektakulären, aber schiefen Zahl gewinnen.

Es geht um den Nutzen pro Belastung

Meine KI-Nutzung verteilt sich ungefähr so:

85 Prozent Programmierung, 10 Prozent politische Texte und 5 Prozent Alltag.

Sie ersetzt bei mir nicht das Denken. Sie macht Denken ausführbar.

Sie nimmt mir auch nicht einfach Arbeit ab. Oft erzeugt sie neue Arbeit, weil plötzlich Dinge möglich werden, die ich vorher gar nicht hätte beginnen können. Ich lese mehr Code als je zuvor. Ich kontrolliere mehr Architektur. Ich treffe mehr Entscheidungen. Ich schreibe mehr. Ich denke nicht weniger, sondern kann meine Gedanken weiter verfolgen.

Deshalb ist die richtige Frage nicht:

Verbraucht KI Energie?

Natürlich tut sie das.

Die bessere Frage lautet:

Welchen menschlichen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Nutzen erzeugen wir mit dieser Energie, und könnten wir denselben Nutzen mit weniger Belastung erreichen?

 

Diese Frage gilt genauso für Verkehr, Ernährung, Gebäude, Medizin, Unterhaltung und Industrie.

Nicht Verzicht, sondern Gestaltung

Ich werde auf diese KI nicht mehr verzichten.

Dafür hat sie mein Leben zu stark verändert. Sie hat mir nicht bloss Komfort gegeben, sondern Handlungsmöglichkeiten zurückgegeben.

Das bedeutet aber nicht, dass ich jeden Verbrauch akzeptieren muss.

Ich möchte wissen, welches Modell für welchen Auftrag tatsächlich nötig ist. Eine einfache Korrektur braucht kein maximales Reasoning-Modell. Drei KI müssen nicht in endlosen Review-Schleifen Pingpong spielen. Ergebnisse können wiederverwendet werden. Kontexte müssen nicht unnötig mehrfach verarbeitet werden. Anbieter sollen den Energie- und Wasserverbrauch ihrer Modelle nach nachvollziehbaren Standards veröffentlichen, nicht nur besonders freundliche Medianwerte. Rechenzentren gehören möglichst dorthin, wo Strom sauber und Wasser nicht knapp ist. Abwärme sollte genutzt werden. Und hohe Effizienz darf nicht nur dazu führen, dass der Gesamtverbrauch ungebremst weiterwächst.

Das wäre für mich eine linke Antwort.

Nicht der moralische Befehl an Einzelne, auf eine befreiende Technologie zu verzichten.

 

Sondern der politische Anspruch, diese Technologie effizient, transparent, ökologisch tragfähig und für mehr Menschen zugänglich zu machen.

Kein Ablassbrief, sondern ein Massstab

 

Der Big Mac ist kein Ablassbrief.

Das Steakhouse ist keine Entschuldigung.

Beides sind Massstäbe, mit denen sich verhindern lässt, dass die Debatte jede Beziehung zur Grössenordnung verliert.

Meine intensivste KI-Stunde ist nicht kostenlos. Vielleicht verbraucht sie einige Hundert Wattstunden, vielleicht deutlich mehr. Bei drei gleichzeitig arbeitenden Reasoning-Systemen und ihren internen Arbeitsschritten kann sie in die Nähe meines Backofenbildes kommen. Genau weiss ich es nicht, weil die Anbieter mir keinen persönlichen Stromzähler an den Prompt hängen.

Ich möchte diese Unsicherheit nicht verstecken.

Aber ich möchte ebenso wenig so tun, als wäre eine Stunde, in der ich Code entwickle, politische Gedanken formuliere, mein Leben organisiere und meine kognitiven Einschränkungen überbrücke, ökologisch dasselbe wie ein leerer Backofen.

Der Strom mag derselbe sein.

Die Wirkung ist es nicht.

Für mich ist KI seit eineinhalb Jahren Teil einer Befreiung. Seit dem 13. Mai 2026 ist daraus zusätzlich eine beinahe schrankenlose Möglichkeit geworden, meine Ideen wirklich in die Welt zu bringen.

Die ökologische Rechnung gehört dazu.

Aber auch die Befreiung gehört in diese Rechnung.

Eine Bilanz, die nur den Strom sieht und den Menschen nicht, ist keine vollständige Bilanz.